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UI/UX Design

5 min Lesezeit

DesignOps in der Praxis: Vorteile und Beispiele

Tim
Tim
Head of UX/UI

DesignOps, kurz für Design Operations, ist die Grundlage eines jeden Designteams. Es sorgt dafür, dass alles reibungslos läuft: klare Prozesse, gute Kommunikation und effizientes Ressourcenmanagement. Kurz gesagt: Design wird zum echten Business-Treiber.

Aber lass uns erstmal ein paar Schritte zurückgehen. 

Stell dir vor, du nutzt eine Wetter-App. Die Farben wirken uneinheitlich, die Icons sehen auf jedem Screen anders aus. Nervig, oder? In den meisten Fällen ist das ein klares Signal: Das Designsystem ist unvollständig – oder es fehlt ganz.

Sobald ein sauberes Designsystem etabliert ist, läuft vieles deutlich runder: QA stolpert nicht mehr über inkonsistente Buttons, Entwickler improvisieren nicht im Code, Designer verschwenden keine Zeit mit Nachbesserungen. Alle profitieren.

Doch hier kommt der wichtige Punkt: Ein Designsystem allein reicht nicht.

Ohne die richtige Organisation kann es trotzdem zu Fragmentierung, doppelter Arbeit, inkonsistenten Oberflächen, langsameren Releases und letztlich zu einem Vertrauensverlust ins System kommen. 

Designsysteme lösen nur einen Teil des Problems. Willst du aber, dass Teams über mehrere Produkte oder Bereiche hinweg gut zusammenarbeiten, brauchst du jemanden, der Menschen, Prozesse und Tools koordiniert:

Dann brauchst du DesignOps.

Designsystem vs. DesignOps: Was ist der Unterschied?

Ein Designsystem ist wie das Playbook für dein Produkt: Farben, Buttons, Komponenten, Regeln, Code – alles dokumentiert, damit alles konsistent bleibt.

DesignOps geht einen Schritt weiter.  Es definiert nicht nur Tools, sondern auch Prozesse, Governance, Rollen und Meeting-Strukturen. Oder anders gesagt: DesignOps regelt, wie Design im Unternehmen funktioniert. Man kann es sich ähnlich wie DevOps oder ResearchOps vorstellen – nur eben für Design.

In der Praxis sieht man sehr unterschiedliche Setups. Manche Unternehmen haben nicht mal Designer. Entwickler bekommen ein Briefing vom Product Owner und bauen das Frontend selbst. Kaum zu glauben, oder? Passiert aber häufiger als gedacht.

Dann gibt’s Teams mit UX/UI-Designern, aber noch ohne Designsystem. Schon etwas besser, aber noch nicht vollständig.  Sobald ein Designsystem etabliert ist, sitzen Designer am Tisch, gestalten Strategien mit, beeinflussen das Wachstum von Produkten. Klingt cool, oder? Aber jetzt beginnt die eigentliche Komplexität: Neben Design jonglierst du jetzt auch noch Alignment, Dokumentation, Governance, abteilungsübergreifende Koordination und Stakeholder-Management.

Ein typisches Problem ist dann, dass das Designsystem nicht optimal genutzt wird. Komponenten werden neu gebaut statt wiederverwendet, Designer sehen es eher als lockere Referenz statt als gemeinsame Grundlage oder jeder nutzt es ein bisschen anders.

Und genau hier zeigen sich oft die ersten Risse.

Ohne klare DesignOps-Strukturen passiert häufig Folgendes:

  • Komponenten werden neu gebaut statt wiederverwendet
  • Das Designsystem wird als lose Referenz verstanden
  • Teams nutzen das System unterschiedlich
  • Wissen bleibt in Silos

Die Konsequenz: das System verliert an Wirkung. Ein Designsystem ist letztlich nur ein Werkzeug. Und ein Werkzeug schafft nur dann Mehrwert, wenn alle wissen, wie man es richtig einsetzt.

Jedes Unternehmen ist anders. Deshalb kann ein Designsystem nicht einfach kopiert werden, es muss bewusst aufgebaut werden. Je nach Reifegrad des Unternehmens übernehmen Designer selbst DesignOps-Aufgaben oder ein dedizierter DesignOps Manager kümmert sich darum, dass das Team fokussiert bleibt und trotzdem integriert ist.

DesignOps in der Praxis

Ein einfaches Beispiel: Ein neuer Designer kommt ins Team. 

Ohne DesignOps zieht sich das Onboarding oft unnötig in die Länge. Informationen sind verstreut, Zuständigkeiten unklar und nicht selten werden bestehende Komponenten erneut gebaut, weil die Orientierung fehlt. Verwirrung ist dabei fast vorprogrammiert.

Mit DesignOps bei COBE sieht das anders aus. Das Onboarding folgt einer klaren Struktur – von Research über UX/UI und Workflows bis hin zu Tools und Designsystem. Neue Teammitglieder finden sich schneller zurecht, nutzen Standards von Anfang an korrekt und können deutlich früher produktiv arbeiten. Und das Wichtigste: Die Zusammenarbeit fühlt sich für alle Beteiligten deutlich entspannter an.

Dasselbe Prinzip gilt auch für Kundenprojekte. DesignOps sorgt nicht nur intern für Klarheit, sondern entfaltet seinen Mehrwert ebenso in der externen Zusammenarbeit. Selbst wenn nur ein oder zwei Designer beteiligt sind, arbeiten alle nach denselben Standards – unabhängig davon, ob sie intern oder extern eingebunden sind. Das Ergebnis ist eine konsistente Qualität und deutlich besser planbare Projektergebnisse.

Ein gutes Beispiel dafür ist unser Projekt mit BMW. Gemeinsam haben wir Rollen klar definiert, tragfähige Frameworks aufgebaut, Workshops durchgeführt und das User Testing effizient organisiert. Dadurch ist BMW heute in der Lage, eigenständig Research durchzuführen, benötigt weniger Iterationsschleifen und gelangt spürbar schneller zu besseren Lösungen.

Ähnlich wirkungsvoll war die Zusammenarbeit mit Porsche. Hier bestand die Herausforderung darin, sechs Marken unter einem gemeinsamen System zu vereinen. Durch den Aufbau einer zentralen Komponentenbibliothek, die Vereinheitlichung der Token-Struktur sowie die Abstimmung von Prozessen und Teams konnte ein skalierbares Fundament geschaffen werden. Neue Designs lassen sich nun deutlich schneller ausrollen, alle Beteiligten arbeiten nach denselben Regeln und sowohl Geschwindigkeit als auch Konsistenz sind messbar gestiegen.

Die Vorteile von DesignOps

Online liest man oft von 3–5 Säulen von DesignOps. In der Praxis steckt deutlich mehr dahinter.

Für Designer bedeutet gutes DesignOps vor allem: weniger Kopfzerbrechen und Abstimmungen, dafür mehr Fokus aufs Design. Das führt zu effizienteren Teams, besseren Produkten und deutlich ruhigeren Releases.

Die vier Kernbereiche:

  1. People: Teams klar strukturieren, Designer unterstützen, Alignment schaffen.
  2. Process: Workflows sauber gestalten, Zusammenarbeit vereinfachen.
  3. Platforms: Tools & Systeme so aufstellen, dass Design konsistent, skalierbar und nachhaltig bleibt.
  4. Performance: Wirkung messen, Feedback einholen, Design verbessern, Business Value steigern.

Und wie startet man jetzt?

Es gibt keinen universellen Einstiegspunkt.  In vielen Unternehmen passiert DesignOps bereits informell, aber niemand treibt es wirklich voran. 

Die entscheidenden Fragen sind: Wer nutzt das System – und wie? Wo entstehen Reibungsverluste? Welche Prozesse bremsen euch aus? Genau hier setzt DesignOps an.

Ist DesignOps sauber implementiert, wird Design bewusst skalierbar, nachhaltig und konsistent – für das gesamte Unternehmen.

Der beste erste Schritt daher: ein ehrlicher Audit des aktuellen Statu und, herausfinden, wo du stehst. 

Alles Weitere? Dabei unterstützen wir euch gerne. 😉

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Autor:in

Tim ist Head of UX/UI Design bei COBE. Er leitet ein internationales Team von Designer:innen und sorgt für eine reibungslose Zusammenarbeit mit unseren Kund:innen.

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