Warum Designsysteme für QA unverzichtbar sind



Du lädst eine neue App herunter und öffnest sie zum ersten Mal. Auf den ersten Blick sieht alles gut aus. Das Design wirkt modern, die Performance stimmt. Und trotzdem fühlt sich etwas… merkwürdig an. Du kannst es nicht sofort greifen, aber unterbewusst registriert dein Gehirn: Hier passt etwas nicht zusammen.
Je länger du die App nutzt, desto deutlicher werden die Inkonsistenzen. Mal schließt du ein Fenster über ein „X“, mal über „Abbrechen“, manchmal gibt es gar keinen Button – und du musst über die Systemnavigation zurück. Jede dieser Abweichungen wirkt für sich genommen klein. Doch in Summe entsteht ein Produkt, das inkonsistent, verwirrend und wenig intuitiv ist.
Was hier fehlt? Ein Designsystem.
Ein Designsystem ist mehr als eine Sammlung von UI-Elementen. Es ist ein Framework, das visuelle Prinzipien, Komponenten, Interaktionen und Verhaltensregeln dokumentiert – die verbindliche Grundlage für ein konsistentes Produkt.
Aus QA-Sicht kann das Fehlen eines solchen Systems schnell zum Albtraum werden. Dramatisch? Vielleicht. Aber auch absolut realistisch.

in Designsystem steigert die Produktqualität unmittelbar. Es sorgt dafür, dass UI-Elemente konsistent funktionieren und UX-Standards eingehalten werden. In der Praxis bedeutet das es gibt klare Regeln: definierte Komponenten, nachvollziehbare Interaktionen, weniger Interpretationsspielraum. Für QA- und Entwicklungsteams schafft das Orientierung und Sicherheit. Das Produkt wirkt nicht wie ein Sammelsurium einzelner Features, sondern wie ein durchdachtes Gesamtsystem.
Stell dir eine App mit mehreren Formularen vor: Registrierung, Login, Checkout, Profilbearbeitung. Ohne Designsystem verhält sich jedes Formular anders. Nutzer müssen sich immer wieder neu orientieren – Frustration ist vorprogrammiert.
Mit einem Designsystem als Single Source of Truth verschwinden Inkonsistenzen. Für QA bedeutet das: Validierung wird einfacher, schneller und verlässlicher. Verhalten ist standardisiert. Erwartungen sind klar.
Kurz gesagt: Es gibt nicht sieben verschiedene Varianten derselben Error-Funktion. Und niemand muss sie später mühsam vereinheitlichen.
Fehlt ein Designsystem, steigt das Risiko für Bugs deutlich. Oft ist QA die einzige Instanz, die Edge Cases entdeckt, die im Design nie berücksichtigt wurden.
In einem idealen Prozess werden solche Probleme früh erkannt. In der Realität tauchen sie jedoch häufig erst in der Testphase auf.
Ein klassisches Beispiel: Das Verhalten von Modals (Pop-up-Dialogen) ist nicht definiert: Einige haben ein „X“, andere einen „Abbrechen“-Button, wieder andere schließen bei Klick außerhalb oder mit ESC. Ohne klar definiertes Pattern implementiert jeder Entwicklerin eine eigene Variante. Das bekannte „Stille-Post“-Prinzip.
Beim Testing führt das zu Problemen: Nutzer schließen versehentlich wichtige Eingaben oder bleiben in Flows stecken.
Nach dem Reporting müssen alle Varianten überarbeitet und vereinheitlicht werden. Das ist ein massiver Rückschritt für ein Projekt: Der Prozess springt zurück ins Design, durchläuft erneut alle Beteiligten und verdoppelt mindestens den Aufwand. Mit einem klar definierten Designsystem wäre das komplett vermeidbar gewesen.
Viele dieser Probleme wirken zunächst klein. Doch sie summieren sich – und kosten Teams Zeit, Energie und Budget.
Gerade aus QA-Perspektive zeigt sich das deutlich: Ein minimal falscher Farbton fällt sofort auf. Der Code stimmt technisch – aber vielleicht war bereits im Design keine klare Definition hinterlegt. Ohne Designsystem müssen all diese Einzelfälle manuell identifiziert, gemeldet und korrigiert werde.

Visuelle Inkonsistenzen haben oft geringere Priorität als funktionale Bugs. Trotzdem beeinflussen sie Wahrnehmung, Vertrauen und Usability massiv.
Stell dir nur vor: Der Weiter-Button ist rot, der Abbrechen-Button grün. Du meldest nicht nur einen Bug – du stellst das gesamte Design in Frage.
Neben visuellen Bugs sind fehlende Definitionen bei Typografie und Content-States.
Wenn die Typografie im Designsystem nicht definiert ist, passiert schnell Folgendes: Text läuft über Container hinaus, Inhalte überlappen und im schlimmsten Fall bricht die UI komplett.
Während der Entwicklung werden oft Platzhaltertexte genutzt. Probleme zeigen sich erst mit echtem Content – meist kurz vor Release. Genau dann sind Fixes am teuersten.
Sind alle States im Designsystem definiert, kann QA strukturiert und effizient prüfen. Ohne diese Grundlage bleibt nur Erfahrung – oder ständige Rückfragen an Design. Ein enormer Zeitfresser.
Ein starkes Designsystem verbessert die Zusammenarbeit zwischen Design, Development und QA erheblich. Diskussionen lassen sich objektiv klären, ein Blick ins System reicht. QA kann sich stärker auf Integrations- und Funktionstests konzentrieren, statt jedes visuelle Detail neu zu bewerten. Das steigert Produktivität und reduziert Ermüdung.

Designsystems sind zudem ein entscheidender Hebel für Accessibility: Farbkontraste sind bereits regelkonform definiert, Schriftgrößen sind standardisiert und Elementzustände sind dokumentiert.
Nach Accessibility-Standards müssen alle Elemente per Keyboard und Assistive Technologies erreichbar sein. Fehlt der Focus-State im Designsystem, ist er im Produkt oft: nicht vorhanden, inkonsistent oder nicht compliant.
Ein durchdachtes Designsystem integriert Accessibility von Anfang an – nicht als nachträglichen Fix.
Erinnerst du dich an das „Albtraumszenario“?
Ein oder zwei undefinierte Fälle sind verkraftbar. Hundert davon sind ein massiver Zeitverlust und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Edge Cases ungetestet bleiben.
Aus QA-Sicht geht es nicht darum, Dinge „hübsch“ zu machen. Es geht darum, Qualität: reproduzierbar, nachhaltig und testbar zu machen.
Man kann es wie den Bau eines Hauses sehen: Ohne Standards hat jedes Fenster ein anderes Maß. Mit klaren Regeln greift alles sauber ineinander – und das Haus bleibt stabil.
Designsysteme sind der Blueprint für ein erfolgreiches Produkt. Wenn Regeln klar definiert sind: kann Testing früh geplant werden, werden Risiken früher erkannt und esentstehen weniger Überraschungen später in der Entwicklung.
Wenn du erfahren möchtest, wie ein Designsystem deine Produktqualität nachhaltig verbessern kann oder wie unser DesignOps-Ansatz für echtes Alignment zwischen Teams sorgt, melde dich gerne bei uns.
Amela ist Quality Assurance Engineer bei COBE. Wenn sie keine Bugs entdeckt, lernt sie gerne neue Sprachen oder widmet sich kreativen DIY-Projekten.




